08.11.2016

Ein Praktikum mit Bleibeperspektive

Willkommenslotsen des BWHW unterstützen Unternehmen bei der Integration von Flüchtlingen

Ob LED-Systeme konfektionieren, Komponenten zusammenbauen oder Montagearbeiten im Museum: Der in Teheran geborene und aufgewachsene Flüchtling Sajjad Tavvakoli (25) wird bei keinem Arbeitsschritt außen vor gelassen. Seit Anfang Juni macht er ein Praktikum bei Stephan Zimmermann Lightsolutions und lernt bei dem Oberurseler Lichtplaner, wie man Fußballfelder, Kirchen und Kunstgegenstände ins richtige Licht setzt.

„Er ist schon ein fester Teil der achtköpfigen Mannschaft geworden und wird überall mit einbezogen“, sagt Barbara Zimmermann, die zusammen mit ihrem Mann das auf die Gestaltung und Erstellung von Beleuchtungs- und Steuerungsanlagen spezialisierte Unternehmen leitet. Dass der erst im Frühjahr 2016 nach Deutschland gekommene Flüchtling im Vorstellungsgespräch noch kaum Deutsch konnte, hat Familie Zimmermann nicht abgeschreckt: Die Motivation in Zeiten der Flüchtlingskrise einen Beitrag zu leisten und die guten Vorerfahrungen mit Migranten, stimmen den Lichtplaner optimistisch: „Im Handwerkssektor ist ein Defizit an qualifiziertem Nachwuchs absehbar, da muss man die mit Flüchtlingen verbundenen Chancen erkennen! Wir haben hier auch einen Tunesier, der nach seinem Studium über eine Zeitarbeitsfirma bei uns gejobbt hat. Er ist heute meine rechte Hand und bei Auslandsbaustellen der Joker schlechthin.“

Zuverlässig, fleißig und fähig sich in Arbeitsabläufe zu integrieren, so beschreibt der Firmenleiter seinen Praktikanten. Dass die Zusammenarbeit mit dem Flüchtling trotz noch erwartungsgemäß bedürftiger Deutschkenntnisse funktioniert, bescheinigen auch Mitarbeiter wie sein Mentor Karsten Konrad: „Sajjad ist sehr neugierig und fragt immer was er machen kann. Man merkt eindeutig seine Vorerfahrungen, die er im Iran als Elektriker gesammelt hat.“ Neben der Arbeit und der Sprache wolle er sich aber auch generell integrieren. Mit Begeisterung berichtet Frau Zimmermann, wie Sajjad kürzlich gefragt hat, wo er denn eine Brotbox herbekommen könne. Weil seine Kollegen ihr Essen immer in Brotboxen transportieren. „Man sieht einfach, dass er dabei sein will!“, so die Geschäftsführerin.

Bei dem positiven Eindruck, den der Flüchtling macht, kann es kaum verwundern, dass Familie Zimmermann auch nach dem Praktikum mit ihm arbeiten möchte. Wie man eine solche Zusammenarbeit sinnvoll gestalten kann, hat sich der Lichtplaner von der in der Frankfurter Lurgiallee sitzenden Willkommenslotsin und Integrationsexpertin Gabriele Wörner erklären lassen:

„Sajjad Tavvakoli hat schon Berufserfahrung in seinem Heimatland gesammelt und ist sehr motiviert, den Beruf des Elektronikers „richtig“ zu erlernen. In der zwölfmonatigen Einstiegsqualifizierung (EQ) kann er nicht nur sein berufliches Wissen erweitern, er kann auch weiterhin Deutsch lernen – zum einen in einer Deutschklasse, zum anderen im Kontakt mit Kollegen und Kunden. Gerade der tägliche Kontakt mit Deutschsprechenden im Berufsleben ist wichtig für die Flüchtlinge, nur so kann später auch eine Ausbildung mit dem Besuch der Berufsschule gelingen. Nach der Einstiegsqualifizierung – ein von der Agentur für Arbeit refinanziertes Langzeitpraktikum – geht’s dann gut vorbereitet in die eigentliche Ausbildung.“

Gesagt, getan: Die zur Aufnahme einer Einstiegsqualifizierung nötigen Anträge sind bereits eingereicht und einem EQ-Beginn steht nichts mehr im Wege. Eine Ausbildung ist bei dem Lichtplaner zwar nicht möglich, doch hier ließ sich dank der guten Beziehungen zum Nachbarunternehmen eine Lösung finden: „Bevor wir Sajjad für das Langzeitpraktikum zusagten haben wir geklärt, dass er im Anschluss bei Klaas Elektrotechnik eine Ausbildung zum Elektroniker für System- und Gebäudetechnik antreten kann“, so Stephan Zimmermann. Bis dahin bleibe er der eigenen Mannschaft aber erhalten, wie seine Frau rasch hinzufügt.

Willkommenslotsen:

Mit dem Ziel Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren, beraten Gabriele Wörner und Timo Walther seit Anfang Juni kleine und mittlere Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet in allen Fragen rund um die betriebliche Integration von Geflüchteten. Die beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft angestellten und bei CONSULT in der Frankfurter Lurgiallee sitzenden Willkommenslotsen sind für Frankfurt und Rhein-Main (Wörner) sowie für Darmstadt und Südhessen (Walther) zuständig. Das vom Bundeswirtschaftsministerium initiierte und von HESSENMETALL kofinanzierte Projekt „Passgenaue Besetzung: Willkommenslotsen“ hat eine Laufzeit von drei Jahren.

Können wir auch Sie bei der Integration von Flüchtlingen in Ihrem Unternehmen unterstützen? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Rechts finden Sie Ihren Ansprechpartner sowie unseren Info-Flyer.